5. Tag

Reiseroute Tag 5

Leider müssen wir schon wieder ans "nach Hause fahren" denken. Da wir aber noch ein paar Pässe auf der Liste haben, die wir unbedingt fahren möchten, ergibt sich so eine merkwürdige Streckenführung. Uns fehlte noch ein Pass, damit wir die Sella-Runde vollständig gefahren sind, nämlich der Passo Campolongo. Ausserdem soll der Passo Rolle sehr schön zu fahren sein. Da wir aber in etwa die Hälfte der Strecke heute machen wollen, suchen wir eine Übernachtung Richtung Heimat. Wir unterschätzen aber die zu fahrende Strecke und so sind wir länger als gedacht unterwegs.

Umgebung von CorvaraSelbstverständlich müssen wir die Koffer wieder packen und auf die Motorräder montieren. So sind wir später als üblich dran. Beim Hotel in Arabba gehts gleich links weg auf den Passo Campolongo. Und bevor der Motor überhaupt auf Betriebstemperaturen kam, musste er sich schon bergauf kämpfen. Doch er steckt das locker weg. Im Nu sind wir oben und geniessen die tolle Aussicht. Auf dem Weg zum GrödnerjochDa wir Einiges vor uns haben, geht es aber gleich wieder auf der anderen Seite runter nach Corvara.

Auf dem GrödnerjochIn Corvara gehts links weg, zum uns schon bekannten Grödnerjoch. Diesmal jedoch von der anderen Seite. Und es ist geradeso reizvoll, wenn nicht sogar reizvoller. Abfahrt Richtung WolkensteinSchönes Wetter belohnt uns für die ausgesuchte Tour und so kommen wir trotzdem noch zu schönen Fotos vom Grödnerjoch. Hinten geht es ein Stück runter, bevor man sich bei der Abzweigung entscheiden muss, welche Richtung man fahren möchte. Links geht es über das Sellajoch weiter nach Moena. Doch wir entscheiden uns für einen grösseren Umweg über Gröden. Wir fahren rechts runter zu den bekannten Skiorten Wolkenstein (wer studiert nur solche Namen aus), Gröden und St. Ulrich. Hier hat es sehr starker Verkehr und wir sind froh, als wir diese vielbefahrene Strasse in St. Ulrich verlassen können.

Die Strecke von St. Ulrich über Kastelruth nach Blumenau ist sehr schön zu fahren. Wir sind angenehm überrascht, wie kurvenreich und abwechslungsreich diese Strecke ist. Klar ist die Strecke nicht mit den Gebirgen in den Dolomiten zu vergleichen. Aber sehr empfehlenswert. Irgendwo auf der Strecke fahren wir auch noch über einen kleineren, aber reizvollen Pass. Leider ist uns der Name entfallen und wir finden ihn auf der Karte auch nicht.

In Blumau weist ein kleiner Wegweiser nach Breien den Weg zur alten Nigerpasstrasse, Die Latemar-Gruppe im Hintergrunddie hier durch das ursprüngliche Tiersertal führt, und nach der berüchtigten 24% Steigung auf die neue gut ausgebaute Passtrasse einbiegt.
Die Strasse durch das Tiersertal ist recht schmal, eher zu vergleichen mit einem asphaltierten Wirtschaftsweg, denn einer Passtrasse. Sie windet sich am Talboden entlang dem kleine Flüsschen Brei, eingerahmt von gigantischen Felswänden. Verkehr gibt es auf dieser Strasse so gut wie nicht. Weiter geht es durch den Wald, bis nach ein paar Kilometern sich die Sicht auf die Latemar-Gruppe öffnet, die uns die restlichen Kilometer hinab zum Karerpass begleitet. Der Niger Pass stösst dann auf die grosse Dolomitenstrasse.

Über Vigo di Fassa und Moena erreichen wir Predazzo, wo wir links nach Panveggio abzweigen. Nach dem Lago Panveggio zweigt sich die Strasse. Links geht's über den Passo Passo RolleValles und geradeaus zum Passo Rolle. Von hier ab geht es weiter im Nadelwald, leichten Serpentinen folgend, durch den Nationalpark. Der Passo Rolle befindet sich auf 1970 m Höhe, im Herzen des Naturparkes Parco Naturale Paneveggio-Pale di San Martino, der von den Bergspitzen Cimon della Pala (3186 m) und Cima Vezzana (3192 m) dominiert wird. Der Bergkamm bildet die Wasserscheide zwischen dem Cismon-Becken des Brenta und dem Travignolo-Becken des Avisio.
Der Passo Rolle wird als der schönste und spektakulärste gehalten.
Hinter der Passhöhe fängt der eigentliche Kurvenzauber an. In lichten Nadelwäldern geht es Serpentine über Serpentine nach unten. Oberhalb der Baumgrenze erblickt der Reisende links und rechts des Weges zwei mächtige Gebirgsstöcke, zwischen denen sich die Passstrasse nach oben schlängelt. Nach San Marino di Castrozza ist die Strasse gut ausgebaut und verläuft in unzähligen teils leichten Kurven, unterbrochen durch wenige Serpentinen am westlichen Hang des Val Cismon nach Fiera di Primiero hinunter.

Den Passo di Gobbera sucht man vergebens. Es ist kein eigentlicher Pass. Ist auch nur knapp 1000 m hoch und die Passhöhe befindet sich mitten im Dorf. Weiter geht es dann Richtung Passo Broccon. Zwischen Mezzano und Castello Tesino windet sich die zweispurig ausgebaute und glatt asphaltierte Straße durch die Berge. Die Strecke ist relativ wenig befahren, so dass man die Fahrt in vollen Zügen genießen kann.

Von Borgo Valsugana steigt die Strasse stetig an. Am Anfang führt die Strasse durch dichten Wald. Je weiter nach oben man sich schraubt, desto lichter werden die Bäume. Die Strasse ist sehr eng, meistens nur einspurig befahrbar, aber neu geteert und daher schön zu fahren. Leider ist es schwierig an einer der wenigen Stellen zu halten, bei der man eine schöne Sicht ins darunterliegende Tal Val di Calamento geniessen kann. Die Strasse schraubt sich höher und höher, man glaubt schon bald, es hört nie mehr auf. Endlich erreichen wir die Passhöhe, die eigentlich gar keine ist, da sich kein Restaurant und nichts darauf befindet. Hungrig und durstig machen wir uns auf der anderen Seite wieder bergabwärts.
Knapp 400 m später, eine Kehre die es in sich hat und mit sehr viel Fingerspitzengefühl, und hoffentlich kein Gegenverkehr, gefahren werden muss. Zentimeterweise zirkeln wir uns um die Kehre und stehen plötzlich vor einer Almhütte, wo den müden Menschen Speis und Trank angeboten werden. Habe mich schon lange nicht mehr so nach einem Beizli gefreut.
Kehre um Kehre schraubt sich der Weg, Strasse ist ein wenig übertrieben, nach unten. Die Strasse wird enger und entschwindet in dichtem Nadelwald. Stetig in Serpentinen windet sie sich wie ein etwas breiterer Flurbereinigungsweg bergab. Dann geht es erst einmal ein kleines Tal, einer schmalen Strasse folgend leicht bergab. Dieser Pass ist wohl der schwierigste, den wir auf unserer Tour durch die Dolomiten befahren haben, aber trotzdem sehr schön.

In Molina di Fiemme, es ist unterdessen schon spät geworden, verpassen wir bei einem Kreisel die richtige Abfahrt. Und so fahren wir etliche Kilometer ins Cembra Tal, bevor wir den Irrtum bemerken. Nach etlichem suchen fanden wir dann den richtigen Weg über den Passo San Lugano. Unser nächstes Nachtquartier ist nicht mehr weit. An einer Tankstelle fragen wir nach dem richtigen Weg. Und zum Guten Glück haben wir gefragt, den das Hotel "Zur Mühle" in Truden (oder besser gesagt, einige Kilometer ausserhalb) ist nur sehr schwer zu finden. Unterdessen ist es schon fast dunkel geworden und wir sind froh endlich das Hotel erreicht zu haben. Mit viel Glück bekommen wir sogar ein Nachtquartier mit einem feinen Nachtessen. Normalerweise hat das Hotel genau an diesem Tag geschlossen. Aber für die Gäste gibts trotzdem ein Nachtessen.

Nach einem Bier plumpsen wir müde in die Kissen. Wir haben diesen Tag und die 330 Kilometer total unterschätzt.

 

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