Im Süden vom Roten Meer zum 2.ten

Ziemlich genau 1 Jahr nach meinem Tauchabenteuer im Süden vom Roten Meer bin ich schon wieder dort anzutreffen. Eigentlich war was anderes geplant. Und das kam so:
Die Tauchschule Nautilus in Eschlikon TG hatte ein Tauchschiff für sich gebucht. Geplant war ein Torn im Norden von Ägypten, rund um Hurghada. Auf dem Programm stand eine Wracktour. Da es im Norden ein paar gluschtige Wracks zum Tauchen hat, die ich zwar die meisten schon betaucht habe, aber auch nicht abgeneigt war, diese nochmals zu betauchen. Hauptsache ich konnte meinen Kopf unter Wasser halten. In der Folge Karte vom Roten Meerhabe ich mich für die Tour eingeschrieben. Leider haben sich sehr wenige Interessenten gemeldet und so mussten wir uns für etwas anderes entscheiden. 
Ein Hotel in Hurghada kam nicht unbedingt in Frage, da uns dies zu mühsam erschien. Luigi fand dann doch noch 4 Plätze auf einem, von einem anderen Club gebuchten Schiff. Kurzfristig konnten wir uns auf der Dive One einmieten. Wir, das sind Luigi der Besitzer der Tauchschule Nautilus, Rene, Roman und meine Wenigkeit.

Verlockende Namen wie die Divespots: Daedalus Reef, Elphinstone Reef, Rocky Island oder vor allem das St. Jones Reefs reizten mich sehr. Vor allem, da die Unterwasserlandschaft im Süden noch intakt zu sein scheint. Da mir der Tauchplatz St. Jones noch fehlt war das für mich Grund genug mich anzumelden.

 

Im Internet konnten wir Bilder und Beschreibungen des Tauchschiffes Dive One anschauen. Was wir sahen, hat uns sehr gefallen. Ein Grund mehr diesen Törn mitzumachen.

Einzig unser Anfahrtsweg war nicht gerade ideal. Wir konnten zwischen den Abflugflughäfen Genf oder Mailand auswählen. Da die Autofahrt in etwa auf das gleiche rauskommt, wir aber für den Flug ab Genf 150 Swissfränkli mehr bezahlen mussten und auch der Parkplatz um einiges teurer war, haben wir uns für Mailand entschieden. Was wir später seeeehr bereuten. Aber davon später. Und die zweite Hiobsbotschaft kam kurz vor Abflug. Der Flug ging nur bis Hurghada. Ab da mussten wir mit einem Bus die 3 1/2 Stunden nach Marsa Alam fahren.

Safariboot "Dive One"

Tauchboot DIVE ONENach unserer langen Anreise-Safari (siehe oben) hatten wir wenigstens das Glück und waren die ersten auf dem Boot. Und wir konnten unsere Kabine gleich in Beschlag nehmen. Unsere KabineDa die Tauchgruppe aus Genf sowieso alle Kajüten unter Deck wollten, gab es dahin auch kein Problem. Wir bekamen beide Zimmer gleich auf dem Hauptdeck, zwischen Küche und Essraum. Die Zimmer waren schön gross und hatten ein eigenes WC und Dusche. Nur das mit der Klimaanlage war nicht so toll gelöst. Diese stand nämlich auf dem Gang draussen. Und wenn bei Fahrt das Fenster geschlossen werden musste, gabs schnell mal eine stickige und warme Luft.

Dining RoomZum Essen mussten wir nur zur Tür rauslatschen und standen gleich im Essteil der Lounge. Links und Rechts war je ein Tisch, der aber zu klein für alle Personen war. Doch praktisch für den Steward, der in der Mitte steht, und recht und links die Gäste bedienen konnte. Einige mussten vorne am kleinen Tisch essen. Wer das war, wurde von den Genfer durch eine Abstimmung bestimmt. Und zwar mussten diejenigen Personen dort essen, die etwas zur Unterhaltung Die Loungeder anderen beigetragen haben. Das war meistens sehr lustig. Luigi zum Beispiel durfte dort Platz nehmen, weil er ohne Flossen ins Wasser sprang, dessgleichen Roman, der ohne Blei im Zodiac unterwegs war.

Obwohl die Taucherplattform grosszügig gestaltet war, war sie doch zu klein für alle 22 Taucher. So mussten wir uns in zwei grosszügiges TauchdeckGruppen etappenweise umziehen. Wir vier Deutschschweizer durften in der ersten Gruppe mit. Bei fetzigem Sound konnten wir uns umziehen und dann entweder direkt von der Plattform springen oder in eins der beiden Zodiac-Boote umsteigen. Sehr schön fand ich die Betreuung der Crew. Auch ein nettes Detail war die Bereitstellung von einem Morgenmantel. Dadurch konnte man sofort nach dem Tauchgang in etwas Warmes steigen. Was nicht so gut gelöst ist, war die Unterbringung der Neopren-Anzüge zwischen den Tauchflaschen. Apropos Tauchflaschen !! Ich freute mich schon, endlich meine neu erworbenen Kenntnisse des Nitrox-Tauchens anwenden zu können. Nach mehrmaligen Aufforderungen durften wir endlich unsere Flaschen mit Nitrox füllen. Aber uns verging die Lust schnell. Erstens kostete eine Füllung 5 Euro zusätzlich und zweitens hatten die keine Ahnung von mischen. Einmal hatten wir 35 % und dann wieder 27 % und jeder eine andere Füllung. Nicht das, was man unter seriös betrachten kann.

 

Bilder von unserem Tauchboot

 

Tauchsafari vom 1. bis 8. Mai 2005

AnemonenfischeNach Mitternacht, als wir schon am schlafen waren, und die restlichen Gäste aus Genf eintrafen, starteten die Dieselmotoren pünktlich und es kann losgehen Richtung Süden. Während dem Frühstück tauchten die französischsprechenden Gäste nach und nach aus ihren Kojen auf. Die einen waren freundlich und begrüssten uns, die anderen beachteten uns gar nicht. Vielleicht waren sie auch zu müde und haben uns noch gar nicht gesehen. Auf jeden Fall ging das Geschnatter schon los und ich verstand überhaupt nichts. Na ja, es ist auch schon einige Zeit her (Ratter,ratter schon 30 Jahre) seit ich mal in der Schule französisch lernen musste. Seit daher ging vieles den Bach runter, oder mir aus dem Kopf.

 

kleiner Hai am schlafenSchon bald ankerten wir an unserem ersten Tauchplatz Abu Dabbad. Ein Checkdive stand auf dem Programm. Der Tauchanzug und die Tauchutensilien sind schnell montiert, reingesprungen, nochmals zusätzlich Blei gefasst und losgeht's. Der Divecheck-Tauchgang ist meistens nichts berauschendes, da meistens defekte Riffe angefahren werden, trotzdem haben wir vier Blaupunktrochen gesehen.Es geht ja auch nur um die Tarierung und das Angewöhnen des Körpers an das neue Medium Wasser. Am Nachmittag gleich der nächste Tauchgang am Shab Shab. Schöne Weichkorallen, Napoleon, Blaupunktrochen und sogar ein kleiner Hai am schlafen. Luigi und Roman drückten aufs Gas und waren schon bald nicht mehr zu sehen. Mein Buddy René und ich nahmen es gemütlicher.

Rocky Island

Als erstes Highlight steht am nächsten Morgen um 7 Uhr schon Rocky Island auf dem Programm. Mit dem Zodiac wurden wir auf die andere Seite der Insel transportiert. Gleich beim reinspringen wurden wir von einem Napoleon begrüsst. Ansonsten war nicht viel los an diesem Tauchplatz. Schöne Korallenwände. Kurz vor dem Mittag nochmals ein Besuch von Rocky Island. Diesmal die andere Seite vom Steinhaufen im Meer betaucht. Natürlich gegen die Strömung. Mein Buddy war diesmal Roman. Ansonsten war ich ein bisschen enttäuscht von diesem Tauchplatz. Wunderschöne Korallenwände, aber fast keine Grossfische.

 

Zabargad IslandFür den Nightdive wechselten wir zu Zabargad Island über, da man bei Rocky Island nachts nicht tauchen durfte. Diese beiden Insel liegen nur knapp 30 Bootsminuten auseinander. Diesen Tauchgang machte ich mit Luigi. Ein ganz ruhiger und schöner Tauchgang, überhaupt kein Gedränge unter Wasser. Wir fanden drei spanische Tänzerinnen. Schade, dass ich meine Fotoausrüstung nicht dabei hatte.

Den Early Morning Dive absolvierten wir wieder an Rocky Island. Mit Luigi und Roman machten wir einen Tieftauchgang. Auf 50 m Tiefe gabs ebensowenig zu sehen wie auch auf 40 m Tiefe. Auf 15 m Tiefe dann schöne Korallengärten mit vielen Fischen. Irgendwie hatte ich diesen Divespot anders in Erinnerung.

Taucher über WrackWieder ein enttäuschender Tauchgang, diesmal bei Zabargad Island. Wracktauchen ist angesagt. Ausser dem Wrack ist aber nicht viel los. Ausserdem noch schlechte Sicht.

Anschliessend gings schon wieder weiter. Irrtümlicherweise nicht nach Süden, sondern retour Richtung Marsa Alam. Mein Traum von den St. Jones Inseln war wohl ausgeträumt. Sehr schade. Auch mit dem Daedalus Reef wird wohl auch nichts. CanyonDer nächste Tauchgang ist am nächsten Morgen am Shab Malai. Das ist abwechslungsweise mal ein schöner Tauchgang. Durch canyonartige Schluchten und Höhlen getaucht. Ganze Schwärme von Einfleck-Schnapper und ein schlafender Riesendrücker.

Der schönste Tauchgang auf dieser Safari ist wohl der am Shaab Claudio. Erstmals durften wir Nitrox tauchen. Statt der gewünschten 32% gabs aber nur 28%. Dieser Tauchgang ist wunderbar. Zwar alles von Hartkorallen bewachsen, aber viele Canyons, Höhlen und Schluchten zum durchtauchen. SUPER !!! Ein paarmal gerieten wir in eine Sackgasse und mussten wieder zurück. Was nicht immer ganz einfach war. Auch in einer Höhle mussten wir suchen bis wir den Ausgang fanden. Zum Glück war diese gross genug, damit keine Panik aufkam. In der Nähe dieses Platzes machten wir auch einen Nachttauchgang.

Den Early Morning Dive machten wir am Erg Habili, bevor es dann zu unserem letzten Highlight geht. An diesem Tauchplatz wahnsinnige Strömung. Bei freiem Abgang mussten wir paddeln wie verrückt. Darum konnten wir auch nicht lange bleiben. Dafür das dies mein 250ter Tauchgang war, echt enttäuschend.

Napoleon, Zackenbarsch und MuräneDie nächsten zwei Tauchgänge machten wir am Elphinstone Reef. Strömungstauchen war angesagt. Teilweise recht stark, aber zum Glück in der richtigen Richtung. Ganz schöne Korallenwände bewachsen mit den prächtigsten und farbigsten Weichkorallen. Unter mir der erste Hai, der mir auf dieser Safari begegnete. Ein Weisspitzen-Riffhai. Alles in allem ein Supertauchgang. Der letzte Tauchgang war wiederum am Elphinstone. Mein Buddy war Luigi, da die anderen beiden keine Lust mehr hatten. Der Zodiacfahrer hat uns am falschen Ort ausgesetzt. Und wieder mussten wir gegen die Strömung paddeln. Einmalig war knapp unter der Wasseroberfläche über den Korallen ein Napoleon, ein Zacki und eine freischwimmende Muräne, die sich um irgendetwas gestritten haben. Habe ich noch nie so gesehen. Toll !!!!

 

Tauchbilder Teil 1                                               Tauchbilder Teil 2

 

 

Alles in allem gesehen, war das eine sehr enttäuschende Tauchsafari gewesen. Dass wir nicht die schönen Tauchplätze wie St. Jones und Daedalus besuchten, war eine Sache. Aber dass die andere Tauchgruppe einen Guide dabeihatten, der keine Ahnung von den Tauchplätzen hatte, das andere. Auch wurden wir selten informiert, was abläuft, wann und wo der nächste Tauchgang ist. Das Schlimmste stand uns aber noch bevor :

Die Heimreise

Etwa um 18 Uhr landete unser Flugzeug auf dem Flughafen von Mailand. Die Zollabfertigung und die Übernahme unseres fahrbaren Untersatzes ging sehr flott von sich. Mit Elan steuerten wir auf die Autobahn wo wir sogleich im Stau festsassen. Trotzdem erreichten wir 2 Stunden später die Schweiz. Zollabfertigung kein Problem und flugs fahren wir Richtung San Bernadino Pass. Auf dem letzten Autobahnstück bevor es Richtung Pass hochging, wieder Stau. Erstmals ging 20 Minuten nichts, dann 200 Meter fahren, 20 Minuten stehen undsoweiter. Die Nerven waren schon am flattern. Endlich die Autobahnausfahrt. Wir fahren die alte Passstrasse hoch. Fast oben stehen wir wieder im Stau und es geht gar nichts mehr. Unterdessen ist es schon 11 Uhr Nachts und wir sind am hyperventilieren. Ein SMS von meiner Freundin besagt, dass der Stau bis Thusis geht. Na Prost !!!
Kurzerhand entschliessen wir uns, es über den St. Gotthard Pass zu probieren. Rechtsumkehrt die ganze Strecke zurück nach Biasca und dann die Autobahn Richtung Gotthard-Tunnel. Vor dem Tunnel stehen wir wieder im Stau. Immerhin geht es vorwärts. 1 Stunde später sind wir durch. Zügig kommen wir voran. Und um 3 Uhr früh stehe ich vor meiner Haustür. Todmüde, aber trotzdem froh endlich daheim zu sein.

Fazit

Unter dem Strich muss ich leider sagen, dass ich mir diese Reise hätte sparen können. Erstens hätte mir die Anfahrt und vor allem die Retourfahrt viel Nerven erspart. Zweitens habe ich in dieser Woche viel zu wenig Tauchgänge machen können, da die ganze Taucherische Leitung stümperhaft war. Auch die meisten Tauchgänge waren ausser ein paar Ausnahmen nicht das, was ich mir vom südlichen Roten Meer versprach. Ein Jahr vorher war das ganz anders. Es hatte auch fast keine Grossfische. Vielleicht lag das an der Jahreszeit ?? Und drittens hatten wir nicht die Tauchspots angefahren, deswegen ich eigentlich gefahren war.
Das einzige Positive war das Tauchschiff selber. Es hat gehalten was es versprach, auch die Crew war sehr nett und hilfreich. Von den anderen französischsprechenden Gäste war ich enttäuscht. Obwohl wahrscheinlich die meisten etwas deutsch oder englisch konnten, haben sie auf keine Weise versucht, von sich aus etwas Konversation zu machen. Auch die Monologe des Diveguide auf französisch waren nichtssagend und stümperhaft (wenigstens was ich verstand), was die Tauchplätze betraf.

Es war eine Riesenenttäuschung für mich !!!!

 

joomla template 1.6
template joomla